Historie
Geschichte des Chrysler Talbot (Simca) Sunbeams

Um die mit einem müden Modellprogramm dahinvegetierenden britischen Chrysler-Fabriken zu beleben, borgte die Regierung von Großbritannien die stattliche Summe von 55 Millionen Pfund (damals ca. 220 Millionen Mark). Eine solche Belebung war dringend notwendig, denn die Produkte der im wesentlichen aus der ehemaligen Roots-Gruppe (Hillman, Humber, Sunbeam) bestehenden englischen Chrysler Tochter waren in England kaum noch gefragt und als Exportschlager schon gar nicht zu gebrauchen. Mit dem Geld kamen aber auch Pflichten auf Chrysler zu. Binnen 18 Monaten, so verlangte die Regierung, müsse ein moderner Kleinwagen produktionsreif sein.
Er sollte die Eigenschaften und die Form besitzen, wie sie auch den verwöhnten kontinentalen Ansprüchen genügen sollten. Für den Fall, dass das Gesamtprojekt gewinnträchtig werden sollte, musste Chrysler die britische Regierung am Profit beteiligen. Am 2. Februar 1976 wurde die Stylingstudie in Form eines Tonmodels gefertigt, kurz darauf kamen die ersten Erlkönige in praktischen Tests zum Einsatz.
Von den ersten Entwurfsskizzen bis zum Prototyp sollen nur neun Monate vergangen worden sein, wobei britisches Engineering und amerikanisches Know-how mit den damals modernsten Mitteln der Datenverarbeitung und -Übertragung zusammen kamen. Nach weiteren neun Monaten rollten dann die ersten Serienfahrzeuge im schottischen Linwood vom Band und wurden im Jahre 1977 der Öffentlichkeit präsentiert.
Den Sunbeam gab es zunächst mit drei Motoren: die kleinste Version mit 930 cm³ und zwei größere Motoren mit 1300 bzw. 1600 cm³. Letzterer wurde später mit einigen Modifikationen (Weber Doppelvergaser) im TI angeboten. Er leistete 100 PS (74KW) und kam 1979 auf den Markt . Außerdem gab es eine noch sportlichere Variante des Sunbeams, nämlich den Sunbeam Lotus, welcher eine 2200 cm³ Maschine besaß die von Lotus enwickelt worden war. Dieser Motor leistete für diese Fahrzeugklasse beachtliche 149 PS (110KW) und war für eine Höchsgeschwindigkeit von 200 km/h verantwortlich.
Mit dem Sunbeam Lotus war Talbot auch im Motorsport erfolgreich. Insbesondere im Rallyesport, denn dort gewann er 1981 die Rallye Weltmeisterschaft. Leider war der Sunbeam nicht sehr erfolgreich, was wohl auch auf diverse Qualitätsprobleme zurückzuführen war. Nach 10.013 TI und 2.308 Lotus Modellen (davon 1150 mit Rechtssteuerung) wurde die Produktion 1981 eingestellt und das Werk in Linwood geschlossen.


Erste Entwürfe des Chrysler Project R424 aus welchen der Sunbeam entstand

Fortgeschrittener Entwurf und maschinell geschnitztes Master-Holzmodell

Sunbeam-Fertigungsstrasse im Werk und erstes Pressefoto
Geschichte des Sunbeam Lotus

Der Chrysler Sunbeam Lotus feierte 1979 auf dem Genfer Automobilsalon Premiere. Er war die Straßenversion des Sunbeam Lotus Rallye. Im Sommer 1979 wurden dann die ersten Fahrzeuge ausgeliefert. Zu dieser Zeit wurde Chrysler an Peugeot verkauft und so wurde der Konzern in "Talbot" umbenannt. Mit Ausnahme der vorproduzierten Modelle hießen alle Fahrzeuge nun offiziell Talbot. Serienmäßig war der Sunbeam Lotus nur in Onyxschwarz mit silbernen Seitenstreifen Und grauer Innenausstattung erhältlich. Die allerersten Fahrzeuge waren zudem mit einer Doppelauspuffanlage ausgestattet. 1981 erfuhr der Sunbeam Lotus ein Facelift, welches größere Scheinwerfer, einen geänderten Kühlergrill, andere Außenspiegel und einen größeren Kraftstofftank beinhaltete. Auch der Motor bekam leichte Modifikation.
Die Produktion lief dann folgendermaßen ab: Die im Werk Linwood gefertigten rollbereiten Chassis wurden per Transporter zu Lotus in Norfolk gebracht. Dort wurden sie mit Motor und ZF 5-Gang Getriebe bestückt. Außerdem Wurden die Modifikationen an der Karosserie vorgenommen, ein größerer Motorkühler verbaut und die Aluräder montiert. Nach Abschluss der Arbeiten bei Lotus wurden die fertigen Autos zu Endkontrolle nach Coventry gebracht, bevor die dann an die Händler ausgeliefert wurden.

Im darauf folgendem Jahr hatte man einige Autos auf Halde stehen und der Verkauf ging nur zögerlich voran, konnte man den Sunbeam Lotus nur noch in Moonstone blau ordern, zudem konnten die Käufer zwischen silbernen oder schwarzen Streifen wählen. Im Winter 1982/83 blieben viele Fahrzeuge in England unverkauft stehen und so wurde beschlossen, eine Kleinserie von 150 Autos als Sondermodell "Avon" aufzulegen. Diese wurden mit einer Farbänderung der Karosserie in Form von originalen grün/gelben Lotus Aufklebern an den Seiten umgestaltet. Außerdem hatte jedes Fahrzeug eine "Limited Edition" Registrationsnummer in der Fahrgestellnummer. Zu erkennen waren die Sondermodelle an den Fahrgestellnummern DDU 1Y bis DDU 150Y. Tatsächlich wurden aber nur 58 Autos offiziell umgebaut, bei einigen wurde die DDU-Nummer auf der Plakette ausgelassen und wurden nur sporadisch bis Nr. 150 durchnummeriert.
Die letzten Fahrzeuge wurden vergünstigt durch einen ansässigen Händler in Nuneaton verkauft.

Automobilsalon Genf 1979, Sunbeam Verladestation in Norfolk und Lotus Avon
Geschichte des Sunbeam Lotus Rallye

Nachdem im Herbst 1977 bei Chrysler in Großbritannien der neue Mittelklassewagen mit der Code-Nummer 424 vorgestellt wurde, sah der Ire und Chrysler Sportchef Desmond O' Dell im Sunbeam den wortwörtlichen "Sonnenstrahl" für die damals dahinsichende britische Automobilindustrie. Die glorreichen Sportzeiten von Chrysler UK hatten zu dieser Zeit längst Staub angesetzt. Zudem wollte Desmond O' Dell ins Rallyegeschäft einsteigen, wusste aber aus seinen Avenger Erfahrungen, dass die Leistung eines 1600 cm Motors mit 100 PS nicht ausreichte, um ernsthaft in der Rallyewelt konkurrenzfähig zu sein. O' Dell hatte zwar sechs Jahre lang für Chrysler viele Meisterschaften gewinnen und somit wenigstens einen leistungsfähigen Teil der britischen Industrie präsentieren können, doch von Ende 1974 an ging es bergab. Die siegreichen Zeiten der Hillman Imp, Hillman Hunter und Chrysler Avenger waren lange vorbei. Und nun endlich zeigt sich wieder ein "Sonnenstrahl" am Horizont!
Da er im Chrysler Baukasten kein geeignetes Triebwerk für den Sunbeam fand, nahm er Hilfe von außerhalb in Anspruch.
Im Januar 1978 nimmt O'Dell Kontakt zu seine alten Freunden bei Lotus auf, die er noch aus seiner früheren Zeit als Aston-Martin-Testchef kennt. Lotus hatte seinerzeit einen Motor mit 2 Liter Hubraum entwickelt, der an Healey geliefert werden sollte. Da dieser aber kurz zuvor seine geschäftlichen Aktivitäten beendete, kam dann der Deal mit Chrysler zustande.
Im April 1978 war dann der erste Testmotor von Lotus fertig. Exakt 238 PS statt der 70 Serien-PS elektrisierten nun die Bestauner des für Chrysler umfrisierten Lotus-Triebwerkes. Für die geplanten Rallye Einsätze ein recht beachtliches Potential, doch die Entwickler waren mit dem Drehmoment des Motors noch nicht zufrieden. Dafür stimmte der Preis - die Entwicklungskosten betrugen nur etwa 13.000 DM (inklusive der gedrosselten Straßenversion mit 150 PS Leistung). Lotus bot O'Dell daraufhin an, den Hubraum durch die Aufbohrung des Motorblocks für eine weitere Zahlung von 4.000 DM auf 2,2 Liter zu erweitern, um die gewünschte Durchzugskraft zu erzielen. O'Dell musste aber sparen, denn das Geld für die erste Entwicklungsphase war schon auf trickreichen Wegen lockergemacht worden und so entgegnete er den Leuten bei Lotus mit den Worten: "Das machen wir dann selbst!"
Im Mai 1978 plante O'Dell dann den entscheidenden Coup. Das Management mußte vor vollendete Tatsachen gestellt werden und so lud der Ire die hohen Herren zu einer Besichtigung seines frisch erbauten Workshops, welcher 1200qm groß war, ein.


Sunbeam Rallye Werkstatt, Talbot Racing Team und Des O'Dell.

Ein Managergesicht strahlte über das andere, endlich wußten sie, das ihre sportiven Kunden auch wirklich gut bedient wurden. Als die Gentlemen sich verabschieden wollten, hielt O'Dell die Herren mit einem natürlich völlig unschuldigem "Ach-übrigends"-Satz auf. Er hätte sich erlaubt, ein klein wenig an diesem Neuling namens Sunbeam herumzuschrauben. Ob nicht einer der Gentlemen mal probefahren wolle… Zunächst völlig überrascht, dann begeistert, nehmen die Herrschaften Kenntnis von diesem modifizierten Sunbeam. Die Marktuntersuchungen, ob so ein Kraftpaket denn auch Käufer finden würde, deuteten auf einen Erfolg hin.
Im Juli 1978 bittet Des O'Dell dann zur Kasse. Das Management fällte die Entscheidung, erst mal 1.500 Einheiten mit einem 2,2-Liter-Motor für die Straße zu produzieren und O'Dell auch mit dem Aufbau der Rallye-Version zu betrauen. Die Sporttruppe wurde auf eine Personalstärke von 18 Leuten erweitert. Die Lotus-Motorteile trafen ein, die ZF-Fünfganggetriebe lagen parat, die Bilstein-Fahrwerke rollten nach Coventry und ein fieberhaftes Werkeln begann.
Im September 1978 begannen dann die ersten Testfahrten des 2,2-Liter Sunbeam Lotus. Am Volant saßen der Schotte Andy Cowan oder Versuchsfahrer Bill Unett. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, entsteht langsam ein standfestets Sportmobil.
Im Dezember 1978 feierte Des O'Dell zum einen seinen 50. Geburtstag und zum anderen, die Verpflichtung des britischen Rallyestars Tony Pond für die 79er Saison. Die Sportcrew hatte derweil schon die Mechaniker vom Fließband in die Montagetechnik der Sunbeam Lotus Serienvariante eingeweiht.
Im April 1979 waren dann vom Serienmodell mit nun 155 PS Leistung genügend Einheiten für die lang ersehnte Sport-Homologation (Gruppe 4 Spezifikation) produziert. Die Rallyeversion mit 240 PS wird von der obersten Automobilsportbehörde in Paris abgesegnet. Des O'Dell damals stolz: "Das haben wir aus eigener Kraft geschaffen - ein Sonnenstrahl mehr für die Automobilindustrie des United Kingdom!"
Die Sportbotschafter des vereinigten Königreiches, fielen im Juli 1979 in Frankreich ein. Pond plus Sunbeam Lotus Power machten Furore bei der "Mille Pistes" und Chrysler France beschloß, auch ein solches Rallye Fahrzeug einzusetzen.
August 1979: Fünf französiche Mechaniker lernten in Coventry den Sunbem Lotus Rallye aufzubauen. Im eigenen Worshop sollten dann die Einsatzfahrzeuge für Jean-Pierre Nicolas entstehen. Hektik machte sich breit.
Im Oktober 1979 hieß der Chrysler Sunbeam Lotus nun Talbot Sunbeam Lotus. Nicolas sorgte bei der "San Remo Rallye" zumindest für einen Achtungserfolg.


Fahrzeug von Russel Brookes (links), Henri Toivonen (rechts).

November 1979: Bei der "RAC-Rallye" hielt Pond lange mit, fiel dann aber aus und verließ das Talbot-Team.
Im Januar 1980 ersetzte Guy Frequelin seinen Landsman Nicolas. Der finnische Jungstar Henri Toivonen und der Brite Russell Brookes kamen ins Team hinzu. O'Dell drückte seine 1,5 Millionen teure Planung durch. Einsätze beim heimischen Rallye-Championat mit Brookes und Toivonen, bei der finnischen Meisterschaft nur mit Toivonen und die europäischen WM-Läufe wieder mit Frequelin und Toivonen.
Im Februar 1980 versägte Toivonen beim bestens besetzten EM-Lauf "Artic-Rallye" die Konkurrenten von Fiat, Ford, Porsche und Vauxhall. O'Dell über Toivonen: "Ein echter Newcomer - ein fliegender Finne für die Talbot Zukunft!" Neben dem hoffnungsvollen Talbot-Engagement beim Rallye WM-Lauf in portugal, hoffte O'Dell eines Tages auch mal einen mehr irischen Finnen zu entdecken.
Im Jahr 1981 wird Talbot dann mit dem Sunbeam Lotus Markensieger in der Rallye-Weltmeisterschaft, Guy Fréquelin erringt zusammen mit Copilot Jean Todt den Vizeweltmeistertitel in der Fahrerwertung. Gleichzeitig stellte Talbot dann die Produktion des Sunbeams ein und somit wurde dann eine Titelverteidigung überflüssig. Die Franzosen setzten bereits den Peugeot 205 Turbo-16 ein, in England startete man aber noch unter der neuen Peugeot Talbot Sport Flagge mit Stig Blomqvist als Fahrer. Er wurde 9. in der Meisterschaft und 8. im Gesamt bei der RAC Rallye.
In der Saison 1983 wurde der Sunbeam Lotus Rallye nur noch ganz vereinzelt eingesetzt. Heute trifft man aber auch in Deutschland noch einige sehr schön aufgebaute Fahrzeuge im privaten Rallyesport an, wie man auf meiner Seite in der Rubrik "Sunbeam Lotus Rallye" sehen kann. Ich hoffe, daß uns diese tollen Fahrzeuge noch lange erhalten bleiben!!!

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